Problemkommunikation

Mein berufliches Steckenpferd ist die Problemkommunikation. Ich liebe es, kommunikativ problematische, schwer erklärbare, politisch sensible oder gesellschaftlich hinterfragte Produkte, Dienstleistungen oder Handlungen zu kommunizieren. Ich arbeite mit Vorliebe für Unternehmen und Branchen, die in Gefahr sind, ihre Social License to Operate – ihre moralische und politische Betriebserlaubnis – zu verlieren.

Problemkommunikation ist aber mehr als reine Krisen- oder Risikokommunikation. Sie ist der übergeordnete Rahmen, in dem Unternehmen und Organisationen lernen, mit dem Dauerzustand des Problematischen umzugehen. Während reaktiv Krisenkommunikation den Ausnahmefall adressiert und proaktive Risikokommunikation auf potenzielle Gefahren zielt, geht Problemkommunikation davon aus, dass Probleme kein „Unfall“ sind, sondern eine ständige Begleiterscheinung moderner Organisationsrealität.

In komplexen, politisch sensiblen oder gesellschaftlich aufgeladenen Umfeldern ist Kommunikation kein Abwehrkampf, sondern ein permanentes Aushandeln von Legitimität. Es geht nicht darum, Kritik zu vermeiden oder das Schwierige zu verschleiern, sondern darum, Spannungen kommunikativ zu gestalten. Und das nachvollziehbar, anschlussfähig und integer.

Problemkommunikation bedeutet, das Schwierige sichtbar und sagbar zu machen: (1) Produkte, Dienstleistungen oder Handlungen, die erklärungsbedürftig sind, (2) Themen, die in der Öffentlichkeit umstritten oder politisch sensibel sind, (3) Entscheidungen, die intern wie extern Reibung erzeugen. Sie ist damit kein Werkzeugkasten für den Notfall, sondern ein strategisches Leitprinzip für Unternehmen und Organisationen, die in einem kritischen Umfeld operieren. Ob in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft oder Verwaltung. Problemkommunikation verbindet Analyse, Haltung und Dialog zu einer dauerhaften Kommunikationskompetenz.