Sicherheitskultur: Kompetenzschniepel Hacking

Bei der KR Krisensicher Risikoberatung GmbH, dem Unternehmen, für das ich arbeite, pflegen wir die Idee des T-shaped knowledge. Wir machen regelmäßig Weiterbildung. Darauf legt unser Gründer, Rico Kerstan, viel Wert.

Der horizontale Balken des T steht für das Wissen, das wir brauchen, um mit allen Kollegen im Team zusammenarbeiten zu können. Mit anderen Worten: Wir sollen ein tieferes Grundverständnis der Arbeit der anderen haben.

Der vertikale Balken des T symbolisiert die Fachexpertisen eines jeden Kollegen. Wir nennen diesen Balken liebevoll unseren Kompetenzschniepel“ Meine Kompetenzschniepel sind Krisenmanagement, Krisenkommunikation, Business Continuity Management und auch Sicherheitskultur.

Unter Sicherheitskultur sind die menschlichen und sozialen Aspekte von Unternehmenssicherheit zu verstehen. So ist es wichtig, beim Thema Cybersecurity nicht nur auf technischen Schutz zu setzen. Fast noch wichtiger ist, eine Human Firewall aufzubauen.

Einer unserer Kollegen hat den Kompetenzschniepel Ethical Hacking. Ein ethischer Hacker versucht, wie ein bösartiger Hacker zu agieren, und nutzt dabei dieselbe Software und Taktiken wie der Bösewicht. Ziel es, im Auftrage von Unternehmen Schwachstellen in dessen IT-System aufzudecken.

Vor kurzem hatten wir wieder eine unserer regelmäßigen Weiterbildungsklausuren. Unser Kollege hat einen kleinen Hackerkurs gegeben. Er hat uns beigebracht, in ein Netzwerk einzudringen. Es war beeindruckend, wie leicht das geht.

Mein Learning für die Arbeit in meinem Kompetenzbereich Sicherheitskultur: Es braucht für das einfache Hackerhandwerk keine supergenialen Nerds, um mit wenig Mühen großen Schaden anzurichten. Mit ein bisschen Ausbildung und Übung könnte selbst ein ganz gewöhnlicher Mensch wie ich im Hacken reüssieren.

Und die meisten Hacker sind eben auch ganz gewöhnliche Menschen. Zwar gebe es auch die typischen Nerds mit einer Lust am Zerstören, aber beim weitaus größten Teil der Cyberkriminalität gehe es schlicht ums Geld, so Scott J. Shapiro in seinem lesenswerten Buch „Von Hackern lernen – Die Fundamente unserer digitalen Welt“.

Der Hackingexperte schreibt: „Cyberkriminelle haben es nicht darauf abgesehen, Ihre E-Mail zu lesen oder Sie via Webcam heimlich beim Zubereiten des Abendessens zu beobachten. Im Großen und Ganzen sind es vernünftige Menschen, die einfach nur ihren Lebensunterhalt verdienen wollen.“

Deshalb kommt man mit einer Sicherheitskultur schon sehr weit, bei der beispielsweise die Mitarbeiter ihre Finger von Mails lassen, die ein unbekannter Absender geschickt hat. „Ein gewöhnlicher Cyberkrimineller wird wahrscheinlich zu dem Schluss kommen, dass das Eindringen in Ihren Computer nicht der Mühe wert ist“, so Scott J. Shapiro. Daher: Eine starke Sicherheitskultur ist immer der erste Schritt hin zu einer starken Cybersecurity.

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