So manches Mittagessen unter uns Beratern bei der KR Krisensicher Risikoberatung GmbH gleicht derzeit einem Universitätsseminar über wissenschaftliche Methoden. Der Grund: Einige von uns beschäftigen sich gerade mit der Frage, wie man die Arbeit eines Krisenstabes mit einem wissenschaftlichen Messverfahren bewerten kann. Da wird viel diskutiert.
Zwar wissen wir alle, wenn wir die Arbeit eines Krisenstabes beurteilen sollen, bereits nach einer Viertelstunde des Beobachtens, warum ein Stab nicht rundläuft. Oder auch schon nach wenigen Sätzen, wenn dessen Mitglieder erzählen, wie sie bei der letzten Krise agiert und gearbeitet haben.
So auch gerade: Wir wurden nach einer aus Sicht einer Organisation suboptimal gelaufenen Krise gerufen, um die Arbeit des Krisenstabes zu bewerten. Uns war sofort klar: Er war in Wirklichkeit nur ein umdeklariertes Managementmeeting. Da trafen sich die Führungskräfte, wie sie sich auch sonst zu Meetings treffen und diskutierten die Dinge lang und breit aus. Der Unterschied: Wegen der Krise hatte jemand an die Tür ein Schild mit der Aufschrift „Krisenstab“ geklebt.
Weder hatte dieser Stab eine besondere Gliederung für die Krisenbewältigung. Noch fand eine besondere Krisenmanagementmethode Anwendung, um schnell und systematisch Lösungsalternativen und Entscheidungen herbeizuführen. Und es gab auch keinen Raum mit Hilfsmitteln, um Informationen zu sammeln und auch zu visualisieren.
Das war uns allen sofort klar. Wir haben das, was man implizites Wissen nennt. Wissen, das durch jahrelange Beschäftigung gewachsen und validiert wurde: durch eigene Mitarbeit in Krisenstäben, durch die Moderation von Krisen mithilfe von Krisenmanagementmethoden, durch das Entwerfen und Fahren von Krisenübungen.
Doch mit implizitem Wissen ist das so eine Sache. Auch dieses Wissen sollte man ständig reflektieren, hinterfragen, weiterentwickeln und vor allem auch mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen spiegeln.
Leider ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Arbeit von Krisenstäben und Krisenmanagementsystemen nicht so ausgeprägt, wie es sein könnte. Und das meiste, was es gibt, ist eher qualitativ ausgerichtete Forschung. Mir als Kulturwissenschaftler gefällt das. Doch wir haben auch Ingenieure in unserem Team. Sie wollen Zahlen. Sie wollen Formeln. Sie suchen die Superformel für den perfekten Krisenstab.
Auch ich versuche mich an einer solchen Superformel. Diese Woche dachte ich, ich hätte sie gefunden: (3a + 2k)ü. Mein Ingenieurskollege meinte: Ein guter Ansatz, aber noch nicht ganz korrekt. Für jemanden, der sonst um jede Formelsammlung einen großen Bogen macht, war ich aber ziemlich stolz. Ich arbeite weiter an der Superformel für einen guten Krisenstab.
Was hinter meiner Formelidee steckt und warum sie noch nicht ganz korrekt ist, das ist zu lesen in meinem heutigen Beitrag in „Krisensicher“, dem Blog rund um Organisationale Resilienz in der Polykrise: https://krisensicher-werden.de/2025/02/14/krisenstabsarbeit-gibt-es-eine-superformel-fuer-einen-guten-krisenstab/