Krisenresilienz: Warum ein Unternehmen zu einem Tennisball werden sollte

Ballsportarten waren mir im Schulsport ein Graus. Ich hatte immer Angst, von einem Ball getroffen zu werden und habe mich weggeduckt. Ich gehörte auch zu denjenigen, die immer zuletzt in eine Mannschaft gewählt wurden.

Dass Ball nicht gleich Ball ist, erkenne ich erst jetzt so richtig. Der Grund: Ich beschäftige mich mit dem allgegenwärtigen Buzzwort Resilienz. Und um das zu verstehen, ist ein Blick auf verschiedene runde Sportgeräte ganz sinnvoll.

Nehmen wir beispielsweise einen Tennisball. Wenn er geschlagen wird oder auf eine Wand trifft, verformt er sich sehr, springt aber sofort wieder in seine alte Form zurück.

Eine Billardkugel andererseits, die zwar kein Ball ist, aber doch irgendwie ein rundes Sportgerät, hat ganz andere Eigenschaften. Wenn man mit einem Hammer kräftig auf eine Billardkugel haut, dann zerspringt sie in viele Stücke. Sie ist kaputt. Ein Tennisball hat eine hohe Resilienz, eine Billardkugel eine geringe.

Ursprünglich kommt der Begriff Resilienz aus der Materialwissenschaft. Dort bezeichnet er Stoffe, die auch nach extremer Spannung wieder in ihren Ursprungszustand zurückkehren. In der Allgemeinsprache benutzt man auch den Begriff Elastizität.

Von der Materialkunde aus hat sich der Begriff Resilienz viele andere Wissenschaften erobert: Psychologie, Ökosystemwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Soziologie. Es geht immer irgendwie darum, wie belastbar ein Mensch oder ein System ist und wie elastisch, um schnell wir in den Ursprungszustand zurückzukehren.

Man kann auch nach dem vier Ebenen der Resilienz unterscheiden. Es gibt die Individualebene und die Teamebene. Ganze Heerscharen von Beratern und Coaches verdienen Geld damit, Mitarbeiter und Teams resilienter und damit auch irgendwie profitabler zu machen.

Auf einer ditten Ebene gibt es die Resilienz, die auf der Organisationsebene ansetzt. Man spricht hier von Organisationaler Resilienz. Es geht dabei darum, beispielsweise ganze Unternehmen resilienter gegen Krisen zu machen.

Die Frage ist: Wie schnell kann ein Unternehmen wieder zum Ursprungszustand zurückkehren, wenn es von einer wie auch immer gearteten Krise heimgesucht wird? Oft benutzt man dafür deshalb auch den Begriff Krisenresilienz. Das Ziel: Ein Unternehmen sollte zu einem Tennisball werden.

Auch Staaten und ganze Gesellschaften können können in eine Krise kommen. Deshalb gibt es auch noch eine vierte Ebene, an der Resilienz ansetzen kann: die staatliche oder gesamtgesellschaftliche Resilienz.

Die gefährlichste und vernichtendste Krise, denen ein Staat und eine Gesellschaft ausgesetzt sein können, ist ein Krieg. Kriegsresilienz fragt danach, wie gut und schnell ein Land in der Lage ist, einen Angriff abzuwehren und wieder in seinen Ursprungszustand zurückzukehren.

Schreibe einen Kommentar