Nicht wenige Menschen in Führungsverantwortung sind von Angst getrieben. Von der Angst, plötzlich die Gunst der Über-ihnen-Stehenden zu verlieren, denn das ist meistens mit einem Karriereknick verbunden. Die Angst, bei innerbetrieblichen Konflikten der falschen Seite zuzujubeln und plötzlich zu den Losern zu gehören. Die Angst, aus Informationsflüssen ausgeschlossen zu werden und dann in einem Tal der Ahnungslosen zu stehe
Es ist auch immer wieder interessant zu beobachten, wer in Großorganisationen nicht alles an einem Meeting teilnimmt. Nur weil er glaubt, wichtig zu sein, auch wenn er rein gar nichts zu einem Thema beitragen kann. Das Bedürfnis, ständig mit dem in Verbindung zu bleiben, was in relevant erscheinenden Bereichen geschieht, wird heute als FOMO bezeichnet.
Hinter dem Akronym FOMO verbirgt sich die Fear of Missing out, die Angst, etwas zu verpassen. Sie ist im Bereich der sozialen Medien sehr verbreitet. Aber auch im realen Sozialleben. So mancher Jugendliche geht innerlich schon an die Decke, weil er weiß, dass seine Freunde irgendwo in der Kneipe sitzen, er aber noch zu Hause seine Schularbeiten machen muss und nicht dabei ist.
Besonders deutlich tritt FOMO in der Business-Welt zutage, wenn es darum geht, in Unternehmen einen Krisenstab zu planen. Dann will auf einmal jeder dabei sein. Wer dem Krisenstab angehört, muss ja per se wichtig sein, so das landläufige Denken.
Da sind sich auch nicht wenige Führungskräfte keineswegs zu schade, sich mit allen Mitteln in den Stab reinzuranzen, auch wenn sie überhaupt nichts zur Lösung einer Krise beitragen können. Hauptsache, sie sind dabei. Und sie können sich damit brüsten, Teil des Krisenteams zu sein.
Der Wille, Teil des Krisenstabes zu sein, schlägt in Führungsriegen dann aber meistens sehr schnell um. Nämlich genau dann, wenn eine Krise am Horizont lauert. Wenn es darum geht, den Krisenmodus auszurufen und den Krisenstab einzuberufen, dann will oft keiner die Entscheidung dazu tragen. Dann wird aus FOMO sehr schnell FOPAB, nämlich die Fear of Pressing the Alarm Button.
Meine drei Ratschläge an alle, die entscheiden müssen, einen Krisenstab einzuberufen: (1) Lieber einberufen, als gar nichts zu tun. (2) Lieber früher einberufen, als zu spät einberufen. (3) Lieber im Hinterkopf haben, dass man einen Krisenstab auch schnell wieder runterfahren kann, wenn es keine Krise gib, als dauernd an die Kosten denken. Deshalb: Bloß keine FOPAB zeigen.