Es gibt viele Gründe, warum ich meine Arbeit als Berater für Krisenkommunikation und Krisenmanagement so mag. Einer ist der, dass der Beruf so viel Kommunikationsbeifang produziert. So nenne ich das Wissen, das ich gewinne, wenn ich beim Kunden bin. Das Wissen, das nichts direkt mit dem Beratungsauftrag zu tun hat.
Der Begriff Beifang bezeichnet Meerestiere, die unbeabsichtigt in Fischernetzen landen und nicht zur eigentlichen Zielart gehören. Er kann ökologische Probleme verursachen, da oft gefährdete Arten betroffen sind. Kommunikationsbeifang von Beratern dagegen ist unproblematisch.
Letzte Woche habe ich wieder guten Beifang eingefahren. Das Kundenspektrum der KR Krisensicher Risikoberatung GmbH, für die ich arbeite, ist breit: Konzerne, Mittelständler, staatliche Behörden, Universitäten. Entsprechend breit ist auch mein Kommunikationsbeifang.
Am Freitag wurden wir zu einem neuen Kunden gerufen. Es bestand der Verdacht eines Cyberangriffes. Der Kunde ist ein kleines Unternehmen, das wissenschaftliche Dienstleistungen im Bereich Arbeitsmarktpolitik erbringt. Mit der von uns entwickelten Methode eines agilen Krisenmanagements hatten wir den Kunden schnell durch die Krise moderiert.
Dann kam der Zeitpunkt, dass sich die Gespräche nicht mehr nur auf die Krise bezogen. Ich fragte die Chefin des Unternehmens, welches denn die Gründe für den Fachkräftemangel wären. Spontan antwortete sie: „Es liegt auch daran, dass wir in Deutschland so ein starres System der Qualifikationsnachweise haben.“
Mein Chef und ich strahlten uns an. Von einer promovierten Fachfrau für Arbeitsmarkfragen hatten wir Bestätigungswissen erhalten, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Uns interessieren Qualifikationsnachweise nur marginal.
Einer der Gründe: Das, was wir brauchen, und die Methoden, die wir anwenden, lernt man in keinem Studium. Wir haben uns entschieden, unsere Leute deshalb selber auszubilden. Und das sehr breit.
Das ermöglicht uns, Menschen in unser Unternehmen zu holen, die unsere Branche sonst nicht so im Blick hat. Kulturwissenschaftler zum Beispiel, liebevoll Kuwis genannt. Die haben zwar im Studium meistens noch nie etwas von Krisenmanagement, Informationssicherheit, Business Continuity Management oder Cybersecurity gehört.
Doch dafür bringen sie Skills aus ihrem Studium mit, die für unsere Arbeit sehr wichtig sind: analytisches Denken, interkulturelle Kompetenz, Schreib- und Kommunikationsfähigkeit, kritisches Reflexionsvermögen, Teamarbeit, Gestaltungsideen.